Herr der Ringe Online: Entwicklertagebuch
Thronfolgen und das Königreich Gondor: Das lange Warten auf die Rückkehr des Königs
30.11.2017 - 10:24

Thronfolgen und das Königreich Gondor: Das lange Warten auf die Rückkehr des Königs



Der dritte Teil einer Reihe, die sich um die Geschichten hinter dem Bündnis-System von Mordor™ dreht.

Von Jeff Libby



Schon bevor man das Buch aufschlägt, ist klar: Der König wird zurückkehren. Es steht ja schon im Titel. Die Fragen lauten nicht „wann?“ oder „wer?“, sondern „wie?“ und „was bedeutet das?“. Am spannendsten ist die letzte Frage. Um sie zu beantworten, müssen wir einen Blick in die Herrschaftsgeschichte von Gondor werfen.

Elendil gründete die Königreiche Arnor und Gondor nach dem Untergang von Númenor. Während der Hochkönig und seine Söhne ihre Macht in Mittelerde festigten, zog sich der Geist Saurons nach Mordor zurück, um seine Wunden zu lecken. Er hasste Elendil über alles, und die Erbfolge des Hochkönigs sollte in den kommenden Jahren im Zentrum seiner Aufmerksamkeit stehen. Elendils Söhne Isildur and Anárion herrschten im Namen ihres Vaters über Gondor, während er in Arnor war. Doch als Sauron angriff, holte Isildur Hilfe aus dem Norden. Als er mit dem Hochkönig zurückkehrte, brachte er nicht nur ein, sondern zwei Heere mit sich: Elben und Menschen marschierten gen Süden, um gemeinsam gegen Sauron zu kämpfen. Dieser Krieg sollte die politische Landschaft drastisch verändern. Zwei Hochkönige – der Elbenkönig Gil-galad und Elendil von Númenor – kamen ums Leben. Anárion fiel in der Schlacht vor Barad Dur, und Isildur erlebte zwar die Anfänge des Dritten Zeitalters mit, verlor jedoch zwei Jahre später sein Leben und den Ring, den er Sauron abgenommen hatte. Beides sollte noch weitreichende Folgen haben.

Nachdem die Helden aus Númenor tot waren, ging die Herrschaft über Arnor im Norden und über Gondor im Süden auf ihre Nachkommen über. Die meisten Söhne Isildurs waren wie ihr Vater auf den Schwertelfeldern gefallen, doch sein Sohn Valandil hatte in Bruchtal überlebt und trat die Herrschaft über Arnor an. Anárions Sohn Meneldil hatte ebenfalls überlebt und die Herrschaft über Gondor übernommen, als Isildur nach Norden ging. Ob Isildur wollte, dass sein Neffe unabhängig oder unter Valandils Schirmherrschaft als Hochkönig regierte, ist unklar. Wir wissen aber, dass beide Könige unabhängig voneinander herrschten und sich und ihre Länder gegen zahlreiche Widrigkeiten behaupten mussten. Nach Valandil herrschten sieben Könige über Arnor, doch die Söhne des Königs Eärendur zerstritten sich schließlich, sodass Arnor in drei kleinere Königreiche zerteilt wurde: Arthedain, Rhudaur und Cardolan. In Arthedain blieb die Herrschaft von Isildurs Blutlinie noch fast tausend Jahre bestehen.

Auch das Königreich im Süden hatte mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Mehrere Könige starben kinderlos, und die Nachfolge ging in manchen Fällen an Geschwister oder Neffen des Königs. Bedrohlicher für Gondor war jedoch der Sippenstreit, ein blutrünstiger Bürgerkrieg, in dem Castamir der Usurpator den rechtmäßigen König Eldacar vom Thron stieß. Castamir war Herr der Schiffe und ebenfalls Mitglied der Königsfamilie. Der Grad der Verwandtschaft war jedoch zu gering, als dass er ohne Gewalt hätte König werden können. Er herrschte zehn Jahre lang, bis Eldacar aus dem Exil zurückkehrte und ihn erschlug. Castamirs Verbündete und Nachfahren flohen nach Umbar. Danach plünderten sie viele Jahre lang an den Küsten Gondors. Seuchen und Korsarenüberfälle dezimierten die Königsfamilie ebenso wie der Einfall der Wagenfahrer aus dem Osten (über den ihr in den HdRO-Quests im Ödland mehr erfahren könnt). Erst nachdem König Ondoher und seine Söhne tot waren, schaffte es Eärnil, Hauptmann der gondorischen Armee, die Wagenfahrer zu besiegen. Eärnil stammte aus dem Königshaus. Da es keine lebenden Thronerben mehr gab, nahm er die Herrschaft an sich – sehr zur Überraschung und Enttäuschung von Arvedui, dem Sohn des Königs von Arthedain im Norden.

Arvedui vertrat den Standpunkt, dass Isildurs Anspruch auf den Thron noch Bestand hatte und die Blutlinie Meneldils als Thronerben seiner eigenen Machtbefugnis als Hochkönig von Arnor und Gondor unterstand. Außerdem war er der Überzeugung, dass Isildur nicht gewollt hatte, dass die beiden Reiche für immer gespalten blieben, sondern davon ausgegangen war, dass sie unter seinen Erben irgendwann wiedervereinigt würden. Der Rat Gondors widersprach Arveduis Standpunkt und war der Auffassung, dass Meneldils Nachkommen dauerhaft über Gondor regieren sollten. Der Streit wurde nie beigelegt, und Eärnil wurde König im südlichen Königreich. Er versprach, Arthedain Hilfe zu leisten, falls es nötig sein sollte. Dieser Fall trat bald ein, da der Hexenkönig von Angmar Krieg gegen das Königreich im Norden führte. Nach zahlreichen Schlachten schien die Niederlage von Arthedain sicher.

Hilfe kam in Gestalt von Eärnils Sohn Eärnur, der mit einer gewaltigen Flotte gegen Angmar in den Kampf zog. Doch er kam zu spät, um Arthedain zu retten. Das Königreich ging mit dem Tod des letzten Königs Arvedui in der Eisbucht von Forochel unter. Doch dies bedeutete nicht das Ende von Isildurs Blutlinie. Aranarth, Arveduis Sohn, ließ sein Kind in Bruchtal aufziehen. Auch seine weiteren Nachkommen wuchsen dort auf. Diese Anführer der Dúnedain wurden zu Wanderern in der Wildnis und beanspruchten nie einen Thron. Ihre Herkunft aber ist nicht in Vergessenheit geraten.

Eärnurs Flotte kam zwar zu spät, um Arvedui und Arthedain zu retten, aber gemeinsam mit einem Elbenheer unter der Führung von Círdan konnten sie die Armeen von Angmar in der Schlacht bei Fornost besiegen. Dem Hexenkönig gelang die Flucht vom Schlachtfeld. Er glaubte, dass Eärnur den Kampf mit ihm fürchtete. Nachdem Eärnur König von Gondor geworden war, forderte der Hexenkönig den hitzköpfigen König immer wieder heraus und nannte ihn einen Feigling, falls er ihm nicht die Stirn bot. Gegen den Rat seiner Berater nahm König Eärnur die Herausforderung schließlich an und ritt nach Minas Morgul, von wo er nicht mehr zurückkehrte. Mardil der gute Truchsess herrschte viele Jahre in Eärnurs Namen. Er glaubte, dass der König nicht tot, sondern in Minas Morgul gefangen sei und eines Tages zurückkehren werde. (Mehr über das Schicksal von Eärnur erfahrt ihr in der epischen Geschichte in HdRO – vor allem Band I: Schatten von Angmar und Band IV: Saurons Macht).

Da keine blutsverwandten Anwärter für den Königsthron zu finden waren, kam es, dass Gondor fortan von Truchsessen regiert wurde. Die herrschenden Truchsessen übten die Macht des Königs aus, „bis er wiederkehren möge“. Aber die Zeit verging und die Position wurde zunehmend durch Erbfolge weitergereicht, sodass diese Worte allmählich an Bedeutung verloren. Fast tausend Jahre lang hatten in Gondor Truchsessen regiert, als schließlich ein Anführer der Dúnedain aus dem Norden kam, der seine Abstammung auf Isildur zurückführen konnte: Aragorn, König Elessar. In Gondor herrschte wieder ein Nachfahre des verlorenen Númenor.

Diese Diskussion offenbart einen interessanten Aspekt der Königsherrschaft in Gondor: Einen König zu haben wird als wichtig erachtet. Die Menschen von Gondor schätzen es, wenn die Abstammung des Herrschers auf einen mächtigen früheren König zurückzuführen ist, selbst wenn dessen Herrschaftszeit Jahrtausende zurückliegt. Und das, obwohl manche von Gondors Königen keine guten, ja teils sogar schlechte Herrscher waren. Werden also die positiven Aspekte auf das Blut Númenors zurückgeführt, das Negative auf dessen „Verwässerung“? Oder kommt noch ein Faktor zum Tragen? Werden die Leistungen eines Königs vielleicht auch daran gemessen, inwieweit er die Last seiner Verantwortung spürt und sie zu tragen gewillt ist?

Die starken Schwankungen in Hinblick auf die Kompetenz der gondorischen Könige sind aufschlussreich. Und sie sprechen für einen zweiten Faktor. Entspräche die Eignung eines Königs nur dem Grad seiner Abstammung, müsste jeder König weniger erfolgreich als sein jeweiliger Vorgänger regieren. Gondor wäre dem Untergang geweiht, eine Rückkehr ins goldene Zeitalter unmöglich. Mit jedem König würde das Andenken Númenors in weitere Ferne rücken.

Wenn aber die Blutlinie Elendils unverjährbare königliche Macht verleiht, kann die Herrschaft von König Elessar den Niedergang von Gondor aufhalten, vielleicht sogar rückgängig machen. Falls er sich als guter und kluger Herrscher erweist, kann Gondor wieder zu seiner alten Größe gedeihen. Wer dem Bündnis des Königreichs von Gondor zur Seite steht, hilft König Elessar dabei, wieder für Ordnung im Königreich und eine goldene Zukunft zu sorgen.






Teil 2: Isengart und Baumbart: Über Bäume und Türme




Ehtelia


gedruckt am 20.01.2018 - 14:23
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